Geringer Verbrauch, doch ein Problem bleibt

Der Astra gehört zu den Autos, die man einfach kennt – seit Jahrzehnten fährt der Kompakte als vielleicht bekanntester Wettbewerber des VW Golf durch deutsche Vorgärten, Firmenflotten und Fahrschulen. Jetzt hat Opel die neueste Generation seines Kassenschlagers noch einmal gründlich überarbeitet. Und ich konnte bereits jene Version fahren, die für viele die möglicherweise aufregendste Variante ist: den vollelektrischen Astra Electric. Doch wie schlägt sich der Stromer aus der Kompaktklasse im Alltag?

Erster Blick: schärfer, kantiger, selbstbewusster

Optisch macht der neue Astra keine halben Sachen. Die Front sitzt hinter dem weiterentwickelten Opel Vizor, jenem dunklen Band, das Scheinwerfer und Kühlergrill zu einer Einheit zusammenzieht. Neu ist, dass der Opel-Blitz in der Mitte jetzt dauerhaft leuchtet. Ein Detail, das dem Auto hauptsächlich bei Dämmerung einen ziemlich markanten Auftritt verpasst. Dazu kommen frische Felgendesigns (bei der vollelektrischen Variante nur 18 Zoll) sowie neue Metallic-Töne.

Opel Astra Electric (2026) beleuchteter Opel-Blitz.
Permanent beleuchtet: der Opel-Blitz an der Front des Opel Astra Electric (2026).

Von außen sieht man dem neuen Astra Electric nicht sofort an, dass hier kein Verbrenner für den Vortrieb sorgt. Und genau das dürfte vielen Nutzern gefallen, die es lieber unaufgeregt mögen. Mit 4,37 Metern Länge bleibt der Fünftürer schön griffig; wer mehr Platz benötigt, greift zum Kombi (Sports Tourer) mit 4,64 Metern. Den konnten wir vor wenigen Wochen in Kroatien übrigens auch schon auf die Probe stellen.

Antrieb: 156 PS, die im Alltag völlig reichen

Unter dem Blech arbeitet an der Vorderachse ein Elektromotor mit 115 kW, also mit umgerechnet 156 PS, und 270 Newtonmeter Drehmoment. Das klingt auf dem Papier nicht nach Sportwagen. Und genau das will der Opel Astra auch gar nicht sein. Ihre eigentliche Stärke spielen E-Autos ja bekanntlich ohnehin beim Antritt aus: Das volle Drehmoment liegt sofort an, und so zieht der Astra an der Ampel spürbar munterer los, als die Zahlen vermuten lassen. Von 0 auf 100 km/h vergehen aber trotzdem 9,3 Sekunden. Dieses E-Auto ist eher ein gemütlicher Vertreter seiner Art, weniger eine brachiale Rampensau. Bei 170 km/h ist Schluss.

Motorraum des Opel Astra Electric (2026).
Kein Frunk unter der Motorhaube des Opel Astra Electric (2026).

Für die Autobahn ist all das ausreichend; wer es schneller mag, greift zum Plug-in-Hybrid oder Diesel (siehe unten). Für Stadt und die Landstraße im Pendel- oder Familienverkehr reichen die vollelektrischen Merkmale sowieso aus. Der rund 1,7 Tonnen schwere Astra Electric fühlt sich nie überfordert an, sondern eher wie ein entspannter Begleiter, der genau so viel Leistung abruft, wie man gerade braucht. Das gefällt.

Dass das Fahrwerk recht straff ausgerichtet ist und der Wagen deswegen phasenweise recht ordentlich über Bodenunebenheiten rumpelt, hat uns etwas überrascht. Wirklich störend war es aber nie. Die Lenkung könnte etwas mehr Direktheit vertragen, macht im Alltag aber trotzdem viel Freude. Die Gänge werden – typisch für Autos aus dem Stellantis-Konzern – über einen Schalter an der Mittelkonsole eingelegt. Hinter dem Lenkrad sind sportliche Schaltwippen zu finden, über die sich in drei Stufen die Stärke der Rekuperation einstellen lässt.

Reichweite und Laden: der wichtigste Fortschritt

Der größte Sprung gegenüber dem Vorgänger steckt in der Batterie. Opel hat den Akku auf 58 kWh vergrößert (55 kWh davon nutzbar), und damit kommt der Astra Electric nach WLTP nun bis zu 454 Kilometer weit – rund 35 Kilometer mehr als bisher. Der Kombi liegt mit 445 Kilometern knapp darunter. Auf der Autobahn erscheinen im Sommer 300 bis 350 Kilometer realistisch.

Der angegebene Verbrauch liegt zwischen 15,3 und 15,5 kWh auf 100 Kilometern, was für die Fahrzeugklasse ein ordentlicher Wert ist. Im Alltagstest rund um Rüsselsheim konnten wir diese Werte während unserer Testfahrten auf zwei circa 50 Kilometer langen Strecken sogar noch unterbieten. Im gemischten Verkehr (Stadt, Landstraße, Autobahn) sind wir laut Bordcomputer auf durchschnittlich knapp 14 kWh pro 100 Kilometer gekommen. Und das trotz eingeschalteter Klimatisierung bei Außentemperaturen von knapp 30 Grad Celsius. Stark!

Schade und weniger alltagstauglich: Die maximale Ladeleistung liegt bei 100 kW. Wenn es beim Nachladen schnell gehen soll, ist das in der Gegenwart zu wenig. Immerhin: Opel verspricht, dass der Akku in 32 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufgeladen ist. Aber nur unter optimalen Bedingungen. Wie schnell der Akku im Alltag tatsächlich geladen wird, kann erst zu einem späteren Zeitpunkt ein ausführlicher Test zeigen. Das Aufladen an einer Wallbox oder an einer Normalladesäule ist per Wechselstrom mit maximal 11 kW möglich. Für eine Aufladung von 20 auf 80 Prozent müssen dann knapp 3,5 Stunden vergehen.

Ein nettes Extra hat der neue Astra Electric auch: Er beherrscht erstmals Vehicle to Load (V2L). Heißt: Man kann externe Geräte direkt am Auto laden. Vom E-Bike bis zur Kaffeemaschine am Campingplatz. Für alle, die den Wagen auch mal für den Ausflug ins Grüne nutzen, ist das ein charmantes Feature.

Ein Dachkantenspoiler sorgt am Opel Astra Electric (2026) für einen Hauch Sportlichkeit.
Ein Dachkantenspoiler sorgt am Opel Astra Electric (2026) für einen Hauch Sportlichkeit.

Wer die Sorge vor der Akku-Alterung kennt: Opel gibt acht Jahre Garantie bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern darauf, dass die Batterie noch mindestens 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität hält. Und über das “Electric All In”-Programm legt der Hersteller Neukunden aktuell unter anderem eine Wallbox für zu Hause sowie Zugang zu einem europaweiten Ladenetz mit über 800.000 Ladepunkten obendrauf.

Innenraum: aufgeräumt und angenehm bequem

Innen wirkt der Astra angenehm sortiert. Zwei je zehn Zoll große Displays, eines für die Fahrerinfos, eines für das Infotainment, sitzen nebeneinander. Die Menüs sind übersichtlich und nicht zu verschachtelt gehalten. Das Navigationssystem arbeitete im Test bei der Berechnung der Routenführung überraschend langsam; möglicherweise aber nur eine Momentaufnahme. Mit an Bord sind Over-the-Air-Updates und ein Reiseplaner, der für den Stromer die Ladestopps berücksichtigt. Auch eine ChatGPT-Anbindung ist mittlerweile Teil des Systems, allerdings nur in der teuersten Ausstattungslinie ein Teil der Serienausstattung.

In-fab metrology and inspection: pivotal milestones and the road ahead

Besonders erwähnenswert sind die bequemen Sitze. Opel verbaut serienmäßig die sogenannten Intelli-Sitze mit einer ergonomischen Vertiefung in der Sitzfläche, die den Druck aufs Steißbein nehmen soll. Auf längeren Strecken merkt man tatsächlich, dass hier jemand über das Thema Rücken und Sitzgefühl nachgedacht hat – ab der GS-Ausstattung tragen die Sitze sogar das AGR-Gütesiegel.

Dazu setzt Opel auf recycelte Stoffe und ein Lenkrad aus veganem Kunstleder. Bei den Oberflächen dominieren – wenig premium-like – Hartplastik und gummiartige Strukturen. Zwei USB-C-Anschlüsse für Smartphones und physische Tasten für die wichtigsten Klimafunktionen unter dem Touchscreen wissen zu gefallen.

Opel Astra Electric (2026) Cockpit
Kantig und doch modern: das Interieur-Design des Opel Astra Electric (2026).

Beim Platzangebot bleibt der Astra praktisch: 352 bis 1.268 Liter passen in den Kofferraum des vollelektrischen Fünftürers. Der Sports Tourer schluckt bis zu 1.553 Liter. Im Unterboden des Kofferraums finden sich zwei zusätzliche Fächer, um Zubehör oder ein Ladekabel platzsparend verstauen zu können. Einen Frunk unter der Motorhaube gibt es nicht.

Auf den vorderen Plätzen fühlen sich auch langgewachsene Menschen wohl. Ganz anders sieht es auf den hinteren Plätzen aus. Hier musst du mit deutlich weniger Platz rechnen. Wenn Fahrer und Beifahrer mit ihren Sitzen weit nach hinten rücken, bleibt für weitere Erwachsene kaum Platz zum Einsteigen. Überragend ist wiederum die Kopffreiheit im Fond. Bis zu einer Körperlänge von knapp zwei Metern nehmen mitreisende Menschen keinen Kontakt zum Dachhimmel auf.

Preis: kein Schnäppchen, aber im Rahmen

Und was kostet der Spaß? Der in Rüsselsheim entwickelte und gebaute Astra Electric startet frei nach dem Motto “made in Germany” bei 38.390 Euro, der Sports Tourer Electric bei 39.890 Euro. Günstig ist das nicht, liegt aber im üblichen Rahmen der elektrischen Kompaktklasse.

Doch du kannst die oben genannten Preise noch etwas drücken. Um bis zu 6.000 Euro. Denn die staatliche E-Auto-Förderung kannst du vom Kaufpreis noch abziehen. Sie ist einkommensabhängig gestaffelt und setzt voraus, dass du deinen Neuwagen mindestens 36 Monate hältst.

Wer nicht kaufen, sondern leasen will, kommt bei Opel je nach Aktion schon ab 199 Euro im Monat (plus Sonderzahlung) an den Stromer. Über unseren Partner LeasingMarkt.de geht es ab knapp 190 Euro pro Monat los.

Opel Astra Electric (2026) in der seitlichen Frontansicht.
Scharfe Linien und ein permanent beleuchteter Opel-Blitz an der Front: das ist der neue Opel Astra (2026).

Angeboten wird der Astra in drei Ausstattungslinien: Edition als solide Basis, das sportlichere GS-Modell und die voll ausgestattete Ultimate-Ausführung. Die nachfolgende Auflistung zeigt dir einige Ausstattungs-Highlights.

  • Edition: Intelli-Sitze, LED-Scheinwerfer, Einparkhilfe vorne und hinten, drei Fahrmodi (Eco, Normal, Sport), Zentralverriegelung, schlüsselloses Startsystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Apple CarPlay und Android Auto kabellos nutzbar, Wärmepumpe
  • GS (zus. zu Edition): Intelli-Sitze (AGR-zertifiziert), 2-Zonen-Klimaautomatik, stark getönte Scheiben im Fond, Dach auf Wunsch ohne Aufpreis in Karbon-Schwarz, 180-Grad-Rückfahrkamera, LED-Ambientebeleuchtung (8 Farben)
  • Ultimate (zus. zu GS): Sitz- und Lenkradheizung, beheizbare Windschutzscheibe, sensorgesteuerte elektrische Heckklappe, Head-up-Display, Connected Navigation Paket mit TomTom OnlineTraffic, IntelliLux HD LED Adaptive Matrix Scheinwerfer (blendfreies Licht mit über 50.000 Pixeln)

Ohne Aufpreis gibt es den neuen Opel Astra Electric übrigens nur in Athletik Blau. Sieben weitere Lackierungen (u. a. auffälligere Farben wie Kult Gelb und Klover Grün) kosten 750 Euro Aufpreis. Eine Anhängerkupplung (abnehmbar) ist für 775 Euro zu haben, aber nur für 60 Kilogramm Stützlast nutzbar. Ein elektrisches Glasschiebe- und Sonnendach kostet 1.200 Euro Aufpreis; verfügbar ab Ausstattungslinie GS.

Und wer lieber tankt: Den Astra gibt es auch wieder als Diesel

Aber bei aller Elektro-Begeisterung: Opel lässt niemanden im Regen stehen, der lieber mit einem Verbrenner unterwegs sein möchte. Der neue Astra ist weiterhin mit der ganzen Bandbreite an Antrieben zu haben: als Hybrid mit 48-Volt-Technik (107 kW / 145 PS), als Plug-in-Hybrid (144 kW / 196 PS) und auch als klassischer Selbstzünder. Der 1,5-Liter-Diesel leistet 96 kW (130 PS), sprintet in 10,6 Sekunden auf Tempo 100 und ist ab 35.040 Euro zu haben. Für alle, die viel Langstrecke fahren und beim Nachtanken keine Kompromisse machen wollen, bleibt der Diesel also eine echte Option. Schön zu sehen, dass Opel die Wahl offenlässt.

Vorteile Opel Astra Electric (2026)

  • effizienter Antrieb
  • hoher Sitzkomfort
  • gelungenes Design
  • Wärmepumpe Teil der Serienausstattung

Nachteile Opel Astra Electric (2026)

  • nur maximal 100 kW Schnellladeleistung
  • kaum Premium-Vibes im Innenraum
  • be­grenz­tes Platz­an­ge­bot im Fond
  • relativ hoher Einstiegspreis

Der Opel Astra Electric zeigt eindrucksvoll, dass ein gutes Elektroauto nicht auffallen muss, um zu überzeugen. Er punktet mit einer alltagstauglichen Reichweite, einem angenehm niedrigen Verbrauch, hohem Sitzkomfort und einer unkomplizierten Bedienung. Gerade im täglichen Einsatz macht der kompakte Stromer vieles richtig. Gleichzeitig bleibt Luft nach oben: Die maximale Ladeleistung ist nicht mehr zeitgemäß, und im Innenraum fehlt mir an vielen Stellen das Premium-Gefühl, das der Preis erwarten lässt. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt dennoch ein rundes Gesamtpaket, das sich vor der Konkurrenz keineswegs verstecken muss.

Opel Astra Electric (2026) in der Seitenansicht.
Kompakt und scharf gezeichnet: der Opel Astra Electric (2026).

Daten & Fakten zum neuen Opel Astra Electric (2026):

  • Motor: Elektromotor, 115 kW (156 PS), 270 Nm
  • Batterie: 58 kWh (55 kWh nutzbar)
  • Reichweite (WLTP): bis zu 454 km (Sports Tourer Electric / Kombi: 445 km)
  • Verbrauch (WLTP): 15,3–15,5 kWh/100 km, 0 g CO₂/km, CO₂-Klasse A
  • 0–100 km/h: 9,3 s (Sports Tourer: 9,5 s)
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
  • Laden: ca. 32 Min. von 20 auf 80 % an 100-kW-Schnelllader
  • Batteriegarantie: 8 Jahre / 160.000 Kilometer (mind. 70 % Kapazität)
  • Besonderheit: Vehicle to Load (V2L)
  • Kofferraum: 352–1.268 Liter (Sports Tourer: bis 1.553 Liter)
  • Länge: 4,37 Meter (Sports Tourer: 4,64 Meter)
  • Radstand: 2,68 Meter (Sports Tourer: 2,73 Meter)
  • Ausstattungslinien: Edition, GS, Ultimate
  • Preis: ab 38.390 Euro (Sports Tourer: ab 39.890 Euro)

Hayo Lücke neben dem Opel Astra Sports Tourer Electric.

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Opel Astra Sports Tourer Electric Test (2026): Perfekter Familienstromer!

Der neue Opel Astra Electric weiß insgesamt gut zu gefallen. Er fährt angenehm, verbraucht erfreulich wenig Strom und bietet eine alltagstaugliche Reichweite. Optisch wirkt er modern und selbstbewusst. Im Innenraum fehlt mir allerdings das gewisse Premium-Gefühl. Zu viele Hartplastikflächen und einfache Materialien verhindern einen hochwertigeren Eindruck. Trotzdem bleibt der Astra für mich ein gelungenes E-Auto, das primär mit seinen praktischen Qualitäten überzeugt.

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