450 Euro für eine Zahnbürste? Für wen sich die neue Philips Sonicare wirklich lohnt» inside digital

Die Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige ist das Neueste, was Philips Sonicare zu bieten hat. Die größte Veränderung: Das Handstück der Zahnbürste zeigt jetzt ein direktes Feedback per Leuchtring an. Zusätzlich kannst du über das neue Touch-Display nach dem Zähneputzen deine Zahnputzroutine inklusive Abdeckung und Druckverteilung überprüfen. Statt nur im Nachhinein oder über die App die Ergebnisse zu sehen, prüfst du so in Echtzeit, wie gründlich du deine Zähne putzt. Klingt erst einmal praktisch. Doch wie schlägt sich die smarte Zahnbürste im Test?

Was macht die DiamondClean 9900 Prestige aus?

Der größte Vorteil der Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige ist das Feedback auf dem Handstück – in Form des Displays und Leuchtrings. Echtzeit-Feedback gibt es jetzt auch über einen Leuchtring – wie bei der Oral-B iO10 (Test). Verschiedene Farben geben Aufschluss über Druck (zu wenig, zu viel, optimal), wo im Mund du noch putzen musst und sie warnen auch vorm Schrubben. Die 9900 Prestige passt zudem die Intensität automatisch an, wenn du zu viel Druck auf die Zähne ausübst.

In Form einer Mundkarte auf dem Display erhältst du zusätzlich einen optischen Überblick darüber, wo du schon ausreichend geputzt hast und wo noch nicht. Dabei ist der Mund in zwölf Zonen eingeteilt, die dir aufzeigen, ob Front oder Rückseite noch gereinigt werden müssen. Auch die Putzzeit kannst du am Touch-Display ablesen. Außerdem kannst du zwischendrin die Intensität ändern und einen anderen Putzmodus wählen.

Im Gegensatz zum Vorgänger – der DiamondClean 9000 (Test) – gibt es auch mehr Modi zur Auswahl: Clean, Deep Clean, White, Gum health, Sensitive, Max Care, Comfort und Polish. Dazu liefert Philips noch ein neu designtes Reiseetui und die bereits bekannte Ladestation mit abnehmbarem Glas. Viele Neuerungen und praktische Funktionen – doch wie gut funktioniert das Ganze im Alltag?

Philips Sonicare DiamondClean 9900 Prestige im Test

Erster Eindruck

Wie man es von Philips gewohnt ist, lässt sich auch diese smarte Zahnbürste einfach bedienen. Einschalten, Modus, Intensität und Option zum Echtzeit-Feedback auswählen und los geht’s. Die Kombination aus Knöpfen und dem Touch-Display mit Swipe-Funktion ist intuitiv und praktisch. Über eine beiliegende Schnell-Start-Karte sind die Farben erklärt und die Mundkarte für das Feedback nach dem Zähneputzen. Eine Bedienungsanleitung gibt es nur digital, aber auch die App liefert weitere Erklärungen – zum Beispiel zu den Modi.

Was mir gleich bei der ersten Nutzung aufgefallen ist: Die Modi haben feste Timer, meist zwischen zwei und drei Minuten. Unpraktisch für mich, da ich eher vier Minuten putze. Außerdem kann man die Putzzeit nur am Display ablesen, wenn man die Zahnbürste stoppt oder diese über die App verfolgen. Die Ladestation hat nach wie vor keine Anzeige und gibt auch sonst kein Feedback (hier hat sich weder optisch noch funktional etwas geändert). Außerdem spritzt die Zahnbürste ziemlich stark – mehr als Modelle mit kleineren oder runden Köpfen.

Für den Test schaue ich mir folgende Punkte nun genauer an: das Zahnputzergebnis, die verschiedenen Programme und Funktionen, die Bedienung (auch der App), die Reinigung und Wartung, das Zubehör, den Akku und den Preis.

Wie gut putzt die DiamondClean 9900 Prestige wirklich?

Die 9900 Prestige hat mich im Test wirklich überzeugt – allerdings erst nach einer Putzzeit von vier bis fünf Minuten. Nach Ablauf des Timers – selbst im Deep Clean-Modus nach drei Minuten – fühlen sich meine Zähne noch nicht glatt und sauber an, geschweige denn nach zwei Minuten im normalen Clean-Modus. Laut Feedback habe ich auch noch längst nicht alle Zähne ausreichend geputzt.

Nach vier bis fünf Minuten sieht das anders aus. Dann ist nicht nur die Mundkarte komplett blau, als Zeichen dafür, dass alles abgedeckt ist, sondern das Mundgefühl ist auch angenehm. Erst nach dieser Zeitspanne habe ich wirklich das Gefühl, saubere Zähne und einen erfrischenden Mundgeruch zu haben. Und auch erst dann ist das Putzergebnis subjektiv betrachtet besser als das mit einer herkömmlichen Zahnbürste.

Viele Modi, die keiner braucht

Die Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige hat nicht nur einen unglaublich langen Namen, sondern auch eine lange Liste an Modi. Acht Stück sind es insgesamt. Vor der Wahl habe ich mir die Erklärung dazu erst einmal in der App und der Bedienungsanleitung durchgelesen und erfahren, dass die Unterschiede gar nicht so groß sind.

Modus Clean Deep Clean White Gum Health Sensitive Max Care Comfort Polish
Zeit 2 Minuten 3 Minuten 2:40 Minuten 3:20 Minuten 2 Minuten 3 Minuten 2 Minuten 2 Minuten
Funktion Plaque-Entfernung Plaque-Entfernung Plaque-Entfernung, Verfärbungen Plaque-Entfernung, Zahnfleischmassage empfindliche Zähne und Zahnfleisch gründliche Reinigung sanfte Zahnfleischmassage Polierimpulse
empfohlene Intensität Hoch Hoch Hoch Hoch Niedrig Hoch Hoch Hoch

Deep Clean ist also einfach nur eine Minute länger als Clean und Sensitive ist gleich mit Clean, wenn man die Intensität nicht runterstellt, und für mich dadurch absolut überflüssig. Einen Zungenreinigungsmodus gibt es dafür nicht. Von der Massage im Gum Health-Modus habe ich persönlich nichts gespürt. Bei Comfort dann schon, dafür war die Massage nur sanft, wenn ich die Intensität auf Niedrig gestellt habe. Hier hätte man einen weiteren Modus streichen können. In der Praxis habe ich so schnell gemerkt, dass ich von den vielen Modi nur zwei wirklich benutze: Deep Clean und Max Care, weil ich hier wenigstens drei Minuten ohne Unterbrechung putzen kann.

Positiv hingegen möchte ich die Anpassungsmöglichkeiten während des Putzvorgangs hervorheben. Sowohl die Intensität als auch den Modus kannst du zwischendrin wechseln. Das ist wirklich praktisch, wenn du mal eine empfindliche Stelle am Zahn oder Zahnfleisch hast.

Zwei echte Kaufargumente: Touch-Display und Leuchtring

Die Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige macht optisch ganz schön was her. Ob in Schwarz, Weiß oder wie in diesem Test Blau: Die Farbe ist schon beinahe Nebensache, denn der wahre Blickfang ist das Touch-Display. Das sieht nicht nur schick und futuristisch aus, sondern ist auch funktional ein Hit. Schnell wähle ich mich hier durch die Modi und Einstellungen und beim Pausieren oder nach dem Putzen erhalte ich eine kurze Übersicht über meinen Fortschritt und die Haltbarkeitsdauer des Zahnbürstenkopfes.

Blaue Bereiche auf der Mundkarte sind gereinigt, bei den gelben muss ich noch mal ran. Bin ich fertig, gibt die Zahnbürste zusätzlich einen Signalton ab. Bei zu viel Druck würde mir auch eine Mundkarte mit violetter Markierung angezeigt, die mich auf die Bereiche hinweist, bei denen ich sanfter vorgehen sollte. Was mich hier stört: Die Mundkarte zeigt nur 12 Zonen an und nicht 18. Optisch scheint sie in Front- und Rückseite eingeteilt, die Kauflächen sind nicht abgebildet. Das macht es schwerer herauszufinden, welchen Bereich ich noch putzen muss oder wo genau der Druck zu stark war. Außerdem kann ich das Display beim Zähneputzen nicht sehen. Und da die Ladestation kein Feedback gibt, brauche ich dann doch die App, um zum Beispiel die Putzzeit nachzuverfolgen.

Was aber während des Zähneputzens hervorragend funktioniert, ist das Echtzeit-Feedback per Leuchtring. Du kannst wählen, ob dir der Leuchtring den Fortschritt bei der Abdeckung anzeigen oder dich bezüglich Druck und Schrubb-Warnung informieren soll. Meine Wahl fällt hier immer auf Druck, da mir das Aufrechterhalten des idealen Drucks immer schwerfällt. Alles zusammen wäre natürlich praktisch, aber womöglich auch verwirrend, da man sich merken muss, wofür die ganzen Farben stehen (gelb und blau für Abdeckung, violett und grün für Druck und rosa für Schrubben).

App mit Mehrwert – aber nicht für alle

Brauchst du die App, um die DiamondClean 9900 Prestige zu benutzen? Nein. Aber für den vollen Funktionsumfang, die Gebrauchsanleitungen, Einstellungsmöglichkeiten und so weiter ist sie dann doch notwendig. Um deine Zahnbürste mit der App zu verbinden, muss Bluetooth eingeschaltet sein und du musst dir ein Benutzerkonto erstellen.

Gleich zu Beginn fragt dich die App, ob du eine Check-in-Analyse vornehmen möchtest. Das Ergebnis ist bei mir wieder wenig aussagekräftig, da ich in den zwei Minuten natürlich nicht alles abgedeckt habe. Anhand der Ergebnisse gibt dir die App gleich Tipps und möchte dich coachen, damit du deine Zahnputzroutine verbesserst. Hier sehe ich einen echten Mehrwert für Nutzer, die hier wirklich eine Hilfestellung gebrauchen können. Vor allem, da das Coaching individuell auf dich zugeschnitten ist und dir nicht irgendwelche allgemeingültigen Tipps an die Hand gibt.

Beim Aufzeichnen des Zahnputzvorgangs läuft ein Timer, die Mundkarte ist noch mal größer dargestellt und ich erhalte ebenfalls Echtzeit-Feedback. Nach dem Putzen kann ich noch angeben, ob ich Zahnseide oder Mundspülung benutzt habe, die Zunge oder die Zahnzwischenräume extra gereinigt habe. Ich kann aber auch manuell Sitzungen hinzufügen und im Nachhinein synchronisieren, wenn keine Bluetooth-Verbindung bestand. Dann übernimmt die App aber nur Uhrzeit und Dauer, keine Abdeckung oder Druckmessung. Und im Nachhinein kann ich immer nur sehen, ob ich zu viel Druck ausgeübt habe. Bei mir wird hier also wieder die Statistik verfälscht, da ich zu lange und oft mit zu wenig Druck putze.

Wie reinige ich eigentlich die 9900 Prestige?

Die Antwort ist denkbar einfach. Und zwar musst du den Bürstenkopf nach jeder Benutzung reinigen (wie auch bei herkömmlichen Zahnbürsten) und das Handstück mit einem feuchten Tuch abwischen. Einmal pro Woche solltest du den Kopf mit warmem Wasser reinigen und auch die komplette Zahnbürste feucht abwischen. Das hat im Test problemlos geklappt.

Ein Akku, der wirklich hält, was er verspricht

Der Akku der 9000 Prestige reicht für zwei Wochen, wenn du zweimal täglich putzt. Bei der 9900 Prestige gibt der Hersteller dasselbe Versprechen. Im Test habe ich das auch bestätigen können – sogar bei zweimal täglich vier Minuten Zähneputzen. Das Laden dauert bei einem komplett leeren Akku mehrere Stunden (laut Hersteller sogar bis zu 24 Stunden). Ziemlich lang, aber normalerweise stellt man die Zahnbürsten nach dem Putzen eh wieder in die Ladestation – allein schon, weil diese der passendste Aufbewahrungsort für das Gerät ist.

Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige lädt in der Ladestation
Bei Kontakt leuchtet der LED-Ring der Zahnbürste auf sowie die Ladestandanzeige. Image source: Marie Bonnet/inside digital

Was mich hierbei allerdings stört: Es ist kein Ladegerät im Lieferumfang enthalten. Philips erklärt das mit umweltschutztechnischen Gründen – jeder hat zu Hause schon etliche Ladegeräte herumliegen – doch soll es laut Sicherheitsanweisung dennoch ein Netzteil von Philips sein. Das müsstest du dann erst noch hinzukaufen. Ich empfinde das als Doppelmoral.

Zubehör: So viel wie möglich, so wenig wie nötig

Im Gegensatz zu Oral-B setzt Philips auf wenig Zubehör. Die Ladestation (mit integriertem Kabel), das Reiseetui (mit Extra-Kabel) und das war’s. Keine Ersatz-Zahnbürstenköpfe, kein Ladegerät. Die benötigten Premium-All-in-One Bürstenköpfe kosten übrigens 29,99 Euro pro Paar oder 47,99 Euro für das Viererpack (UVP). Das geht auf Dauer ganz schön ins Geld, wenn man (wie empfohlen) alle drei Monate wechselt.

Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige lädt im Reiseetui
Die Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige lädt im Reiseetui. Der Zahnbürstenkopf steckt darunter in einer Halterung. Image source: Marie Bonnet/inside digital

Übrigens zeigen Display und App auch an, wie oft du noch putzen kannst, bis ein Wechsel erforderlich ist. Du beginnst mit 180 Sitzungen, sprich 90 Tagen bei zweimaligem Putzen pro Tag. Wenn du allerdings – so wie ich – vier statt zwei Minuten täglich putzt, sind es nur noch halb so viele Sitzungen. Die Zahnbürste zählt hier nicht die Tage, die der Kopf schon in Benutzung ist, sondern die einzelnen Zahnputzvorgänge. Wer länger putzt, kann sich demnach nicht auf die Wechselerinnerung verlassen.

Preis

Seit dem 22. Juli ist die Philips Sonicare DiamondClean 9900 Prestige für die unverbindliche Preisempfehlung von 449,99 Euro bei ausgewählten Händlern erhältlich. Das ist schon ziemlich happig, wenn man die Philips mit der neuesten Oral-B iO10-Serie vergleicht (299 Euro UVP), die einen ähnlichen Leistungsumfang aufweist und deren Aufsteckköpfe auch deutlich günstiger sind. Aufgrund des hohen Preises habe ich meine Gesamtbewertung nach unten korrigiert.

Fazit

Die Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige sorgt mit Echtzeit-Feedback per Leuchtring und Touch-Display für mehr Übersicht und ein gründlicheres Zähneputzen. Viele Modi, die sich oft kaum unterscheiden, und nach zwei bis drei Minuten kein ausreichendes Ergebnis liefern, trüben die Vorteile wieder. Hinzu kommen der stolze Preis und der geringe Lieferumfang. Wer allerdings mit zwei bis drei Minuten pro Putzvorgang klarkommt und Wert auf ein intuitives und hochwertiges Putzerlebnis legt, wird mit der 9900 Prestige dennoch auf seine Kosten kommen.

Vorteile

  • Optik
  • Touch-Display
  • Echtzeit-Feedback durch Leuchtring
  • App bringt Mehrwert ohne Abhängigkeit
  • lange Akkulaufzeit
  • leichte Reinigung

Nachteile

  • hoher Preis
  • keine Bürste für Langputzer
  • kein Feedback auf der Ladestation
  • kein Ladegerät im Lieferumfang
  • kein Zungenreinigungsmodus
  • überflüssige Modi
  • erkennt nicht genau, wo ich gerade putze
  • spritzt
Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige Test
Philips Sonicare Next-Generation DiamondClean 9900 Prestige Test Image source: inside digital

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